Die schriftliche Bewerbung: Tipps & Tricks vom Profi Birgit Löding

Frau Löding, Sie beraten und coachen Akademiker in Punkto „richtig bewerben“. Wer genau kommt zu Ihnen, und welche Berufsaussichten haben Hochschulabsolventen heutzutage? 

Das ist ganz breit gefächert: von Juristen bis Sozialwissenschaftlern, Leute, die gerade fertig geworden sind, aber auch Akademiker, die einen beruflichen Wechsel anstreben. Im Großen und Ganzen jeder zwischen 25 und 30 Jahren. Je nach Fachrichtung unterscheiden sich natürlich auch die späteren Berufsaussichten: In der Regel haben Mediziner und angehende Lehrer recht gute Aussichten, wohingegen es Architekten, Geographen, Sozial- und Geisteswissenschaftler schon schwerer haben – oftmals müssen sie mehr Anstrengungen unternehmen, um eine geeignete Stelle zu finden. Das ist also immer abhängig vom eigenen Engagement und der Schwerpunktsetzung im Studium. Trotzdem ist es immer Erfolg versprechender, wenn man etwas studiert hat was einen interessiert, auch wenn der Einstieg dann etwas schwieriger zu sein scheint. Es liegt an jedem selbst, was er daraus macht. Wichtig ist, wie man sich verkauft – die akademische Qualifikation ist nicht alles.

 

Ganz unabhängig davon, welchen Studiengang man gewählt hat: Die richtigen Bewerbungsunterlagen sind immer noch der wichtigste Faktor bei der Jobsuche. Wie bewirbt man sich denn nun richtig, und was sind die häufigsten Fehler?

Die richtige Präsentation ist das A und O, angefangen bei der Auswahl der optimalen Mappe bis hin zum richtigen Umgang mit unzulässigen Fragen beim Vorstellungsgespräch. Die richtigen Unterlagen sind der Türöffner, daher gilt hier höchste Sorgfalt. Zu jeder schriftlichen Bewerbung gehört ein Deckblatt, ein Anschreiben, der Lebenslauf und Zeugnisse plus Anlageverzeichnis. Auf dem Deckblatt sind Informationen vermerkt wie Firmenadresse, vollständiger Absender, ein gutes Foto und die jeweilige Job-Bezeichnung. Es macht immer einen guten Eindruck, wenn sich ein Design durch die ganze Mappe zieht. Das Anschreiben sollte nie länger als eine Seite sein, je kürzer und prägnanter, desto wahrscheinlicher ist es, dass es auch gelesen wird. Bewirbt man sich auf eine konkrete Stellenanzeige hin, ist es wichtig, diese genau zu analysieren und sich in seinem Anschreiben fast eins zu eins auf einzelne Aspekte zu beziehen. Es gibt nichts Schlimmeres, als eine Standardbewerbung an 50 verschiedene Arbeitgeber zu verschicken. Beim Lebenslauf sollte man darauf achten, gegenchronologisch zu arbeiten, also mit heute anfangen und den Verlauf zurückverfolgen. Am Anfang sollten die beruflichen Erfahrungen aufgeführt werden – Praktika, freie Mitarbeiten etc. – dann erst Studium und Schullaufbahn. Vor den Zeugnissen muss ein Anlageverzeichnis stehen, auch hier wieder inhaltlich sortiert und gegenchronologisch aufgelistet. Die Zeugnisse selbst sind so zu sortieren, wie es im Lebenslauf aufgeführt wurde, Praktikumsbescheinigungen, Unizeugnis, Abiturzeugnis. Hochschulabsolventen sollten auch neben der Bewerbungsphase andere Dinge nachweisen können, also nicht auf der faulen Haut liegen, sondern mit Nebenjobs, freier Mitarbeit, sozialem Engagement, Sprachkursen oder ähnlichem den Lebenslauf aufwerten.

 

Wenn man aufgrund der Bewerbungsmappe zumVorstellungsgespräch eingeladen wird: Was muss man bei einem persönlichen Gespräch alles beachten? 

Zum einen spielt natürlich die Selbstpräsentation eine große Rolle. Kleidungstechnisch empfiehlt sich immer ein Stil, der die jeweilige Firma repräsentiert. Ausschlaggebend ist auch oft das Verhalten in Stresssituationen: bei unzulässigen Fragen nach Religion, Parteienzugehörigkeit oder bei Frauen der Wunsch nach Kindern. Diese etwas unangenehmen Fragen werden meist nicht wegen des Inhalts gestellt, sondern wegen der Reaktion – also immer Ruhe bewahren und nicht nervös werden…

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